Wygarten Merenschwand: Digitalisierung von A bis Z


Für die Bauunternehmung Leuthard Gruppe ist das Thema Digitalisierung seit rund 8 Jahren selbstverständlich, aber auch ganz klar ein Prozess, der vermutlich nie zu Ende sein wird. Wie alles begann und welche Auswirkungen das im Büro und auf der Baustelle hat: Hier gibt’s einen Einblick.

Im Sitzungsraum der Leuthard Gruppe in Merenschwand informieren Stefan Müller, Geschäftsführer/Leiter Hochbau, und Ricardo Andrade, BIM-Manager, über die Baustelle Wygarten in Merenschwand, die wir danach besichtigen. Sie sind beide mit einem Tablet ausgerüstet. Müller stellt gleich von Anfang an klar: «Papier gibt es bei uns nicht mehr.» Bei der Leuthard Gruppe begann die Digitalisierung im Jahr 2010. Schritt für Schritt wurden Abläufe digitalisiert und dafür die entsprechenden Softwareanwendungen eingekauft und Prozesse angepasst. Mittlerweile ist jeder Angestellte mit einem Tablet ausgerüstet, das rund 20 Tools, unter anderem für Fotos, Formulare, Stundenerfassung, Leistungserfassung und ebenfalls für Qualitätsmanagement hat. «Der Bauführer bekommt die Rechnungen per Mail, visiert sie elektronisch, leitet sie an mich weiter, und nach meiner Freigabe werden sie bezahlt, papierlos», erklärt Müller. Alle Daten werden in der Firma lokal verwaltet und bleiben so auch nach dem Austritt eines Mitarbeitenden erhalten.

Auf BIM angesprochen präzisiert Müller: «BIM ist nur ein Teil der Digitalisierung, wir setzen unseren Fokus auch auf viele andere Dinge.» Bis jetzt hat die Leuthard Gruppe von externen Bauherren/Planern nur eine BIM-Ausschreibung erhalten. Der Rest kommt nach wie vor auf Papier und nach SIA-Norm. «Aber die Digitalisierung kommt, das ist keine Frage». Davon ist Müller überzeugt

«Momentan nehmen wir die «analogen» Ausschreibungen von externen Bauherren und erstellen für uns intern 3D-Modelle, die wir in der Baurealisierung für die Arbeitsvorbereitung, Logistikplanung und Vermessung nutzen.», erläutert Herr Müller den Vorgang. Bei den internen Leuthard-Bauprojekten wird ausschliesslich die BIM-Methode angewendet, von der Planung bis zur Realisierung des Bauwerks. Die BIM-Strategie der Leuthard Gruppe basiert hauptsächlich auf dem Open BIM-Konzept, d.h. dass eine Zusammenarbeit mit verschiedensten Planern und Bauherren zu jeder Projekt-Phase möglich ist. Das ist für die Leuthard Gruppe eine wichtige Anforderung, da sie davon ausgeht, dass in Zukunft auch externe Bauherren immer mehr Bauprojekte mit Hilfe der BIM-Methode umsetzen werden.

Und bei einer solchen Vielfalt an Software, Apps und Schnittstellen, die bei der Anwendung der BIM-Methode zum Einsatz kommen, ist der BIM-Manager eine Schlüsselperson. Bei der Leuthard Gruppe heisst er Ricardo Andrade und ist Ingenieur. Neben den BIM-Tools die beherrscht und angewendet werden, gibt es noch viele weitere IT-Tools die betreut und verwaltet werden müssen. Dafür ist bei der Leuthard Gruppe ein Informatiker zuständig, der durch diverse weitere Mitarbeiter projektweise unterstütz wird.

«Wir haben diverseste Tools. Und schon bei uns intern arbeiten diese nur zum Teil zusammen. Wir sind aber ständig daran, diese zusammen mit unseren Softwarelieferanten immer mehr zu vernetzen um Medien- und Prozessbrüche zu minimieren. », erklärt Andrade. Und: «Bei insgesamt 300 Mitarbeitenden kann man diesen Job unmöglich nebenbei erledigen.»

Vom Sitzungszimmer auf die Baustelle

Szenenwechsel: Mit der Überbauung Wygarten, die die Leuthard Gruppe als Bauherr in Auftrag gegeben und als Totalunternehmer baut, entsteht in Merenschwand ein neues Wohnquartier. In einer ersten Etappe werden 4 von total 10 Mehrfamilienhäuser realisiert. Die Eigentumswohnungen sind mit einer innovativen Smarthome-Lösung von digitalSTROM ausgestattet. Dieses System erlaubt beispielswiese, die Taster in der Wohnung frei und auf einfache Weise einzustellen. Mit einem Tastendruck alle Lichter ausmachen und die Storen herunterfahren, oder mit einem Panikknopf alle Lichter einschalten und eine automatische Nachricht an Verwandte senden? Auch hier ermöglicht die Digitalisierung vieles – auch die Steuerung von Geräten von Drittherstellern, wie Sonos, V-Zug, Logitech und Google.

Aber momentan stehen hier noch Bagger, Kran und eine sogenannte Einmann-Station des Herstellers Trimble, eine SPS 720. Und fast ein wenig zu Hause ist hier, zumindest tagsüber, Polier Ueli Häberli. Seine Baracke sieht ein bisschen leer aus. Pläne liegen zwar noch im Regal – reihenweise Ordner sucht man hier vergebens. Häberli zeigt auf dem Tablet, was die Digitalisierung auf der Baustelle möglich macht. Digitale Pläne vereinfachen die Bearbeitung, sei es im Büro oder auf der Baustelle. Momentan testet Häberli, der seit 10 Jahren bei der Leuthard Gruppe arbeitet, auch ein 3D-Modell und die nächste Generation der Hardware. Beim 3D-Modell lassen sich zum Beispiel Wände oder die Aussendämmung entfernen. Das heisst, dass sich ganze Schichten entfernen lassen – und das gibt einen ganz anderen Überblick über die Baustelle.

Raus aus der Baubaracke auf die Baustelle. Im gleissenden Sonnenlicht ist ein Mitarbeiter von Häberli daran, den Aushub mit einem Bagger zu machen. GPS-gesteuert? «Selbstverständlich», sagt Häberli. Weiter geht es zur Einmann-Station, mit der Häberli das ganze Gebäude einmessen und den Aushub kontrollieren kann. Er hat sich vom technischen Büro ein 3D-Modell von der Oberfläche der Bodenplatte erstellen lassen. Diese hat Gefälle in unterschiedliche Richtungen. Dank diesem Modell kann er jetzt jederzeit und an jedem Ort auf dem Display sehen, ob zum Beispiel Der Aushub richtig erstellt wurde. Er kann mit geringem Aufwand die Höhe des Magerbetons oder des Betons für die Bodenplatte beim Einbauen kontrollieren. Für Häberli ist die Digitalisierung eine Selbstverständlichkeit. Auch, dass diese nicht nur Vorteile hat. Aber: «Je komplizierter etwas auf der Baustelle ist, desto mehr Vorteile bieten digitalisierte Pläne und Abläufe.»


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