20. November 2019

"Mädchen – bauen – los" am Zukunftstag 2019

Einmal im Jahr sind die Maurerkellen in den Maurerlehrhallen fest in Frauenhand. Dann nämlich, wenn Zukunftstag ist. In Zusammenarbeit mit dem nationalen Zukunftstag wurden schweizweit Projekte ins Leben gerufen, die Mädchen und Buben von der 5. bis zur 7. Klasse die Möglichkeit für einen Rollenwechsel geben. „Mädchen-bauen-los“, das Projekt von Baukader Schweiz zielt darauf ab mehr weibliche Jugendliche für einen Bauberuf zu begeistern. Über 200 Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren nahmen die Gelegenheit wahr und schnupperten in 24 teilnehmenden Betrieben Bau-Luft. Ein Augenschein in der Maurerlehrhalle in Sursee.

„Wer einen Bauberuf erlernen möchte braucht handwerkliches Geschick, eine gute Konstitution, Kraft und ganz wichtig Köpfchen“, erklärt Adrian Berisha, Fachinstruktor der Maurerlehrhallen Sursee (MLS) gleich zu Beginn. „Mauern ist nicht bloss Backsteine auf einander schichten, man muss auch planen können, Pläne lesen, ausmessen und umsetzen. Im Bauwesen gibt es viele interessante Berufe, die ich euch zeigen werde und auch viele Möglichkeiten sich weiter zu entwickeln.“ Die Begeisterung, mit der er erzählt, ist ansteckend und so raten die Mädels gerne mit, wenn es zum Beispiel darum geht abzuschätzen wie lange es Bauberufe bereits gibt oder wieviel Prozent der Fläche unseres Landes bebaut sind. – Angereichert mit Anekdoten aus dem Berufsleben ist die Theoriestunde schnell vorbei. Interessiert erkunden die Mädchen zusammen mit dem Fachinstruktor den Campus. Nicht alle sind freiwillig hier. Yllka und Rina, die beiden Mädchen aus Gersau haben sich vom Lehrer zu diesem Perspektivenwechsel überreden lassen. Ihr eigentlicher Berufswunsch ist schon lange klar: „Wir wollen Kleinkindererzieherinnen werden“, übernimmt Yllka das Wort gleich für beide. Nora und Sibylle hingegen können sich eine Karriere auf dem Bau durchaus vorstellen.

Mörtelvase und da Vinci Brücke
Mit Fachinstruktor Guiseppe Gisoldo geht’s zum praktischen Teil. Hier dürfen die Mädels ihre Hände in Mörtel tauchen und sich eine Mörtel-Blumenvase basteln. Die Stimmung ist ausgelassen, Gelächter ertönt. Mit beiden Händen in der Mörtel-Wanne herumrühren ist ganz offensichtlich ein Highlight. Das weiss auch Gisoldo, der dasselbe Programm schon mehrmals mit Schulklassen durchgeführt hat. „Hier tauen auch die letzten Mädchen auf“, meint er schelmisch. Tatsächlich haben die Jugendlichen jetzt ihre Scheu verloren und packen engagiert mit an. Viel zu schnell ist die Vase fertig. Zum Glück hat Gisoldo noch mehr Programm vorbereitet. Mit jeweils acht gleich langen Brettchen sollen die Mädchen in Zweier-Teams eine Leonardo-da-Vinci-Brücke bauen, die dann sogar belastbar ist. Ein Anschauungsobjekt steht bereits da. Wie aber baut man diese nach? – Das Rätselraten unter den Jugendlichen ist gross, bis Fachinstruktor Berisha ein paar Tipps gibt. Jetzt geht es schnell und alle Brücken stehen. Vorsichtig testen die Jugendlichen ihre Stabilität und sind fasziniert was man nur mit ein paar Brettchen ohne Zuhilfenahme von Nägeln, Schrauben oder Leim innert Minuten konstruktiv bauen kann.

Selbst Hand anlegen mit Backstein und Mörtel
Jetzt sind alle hochmotiviert für den nächsten Schritt. In der Maurerlehrhalle dürfen die Mädels gemeinsam mit den Maurer-Lehrlingen aus dem 1. Lehrjahr Backsteine setzen und mit Mörtel eine Mauer bauen. Schnell verteilen sich die Mädchen zu den Lehrlingen und schwingen bald schon selbst die Maurerkelle. „Gar nicht mal so einfach“, bemerkt eines. „Irgendwie ist da immer zu viel oder zu wenig Mörtel dran.“ Etwas weiter drüben kämpft eine andere der jungen Frauen mit den Abständen. „Ich hätte nicht gedacht, dass Maurer so genau arbeiten müssen“, sagt sie. Aber die Wasserwaage ist gnadenlos und zeigt die kleinsten Abweichungen an. Immerhin: Der Mörtel aus der Lehrhalle ist ein Übungsmörtel, der niemals fest wird. Genug Zeit also, die Mauer abzubrechen und nochmals anzufangen. Mit Feuereifer wird gemauert und gemörtelt, was das Zeugs hält. Fachinstruktor Gisoldo hält sich im Hintergrund und beobachtet. Aus Erfahrung weiss er, dass dies der beliebteste Teil des Zukunftstages ist. „Hier kriegen wir die Mädels meistens kaum mehr weg“, lacht er. Offensichtlich ist der heutige Tag für alle eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag. – Viel zu rasch ist die Zeit um. Bevor sich Berisha von der Gruppe verabschiedet gibt er den Mädchen aber noch einen wichtigen Tipp für die Berufswahl mit: „Geht so viel wie möglich, und so unterschiedliche Sachen wie möglich schnuppern. Nur so könnt ihr herausfinden, was euch Spass macht. Für welchen Beruf auch immer ihr euch später entscheidet: Wichtig ist, dass der gewählte Beruf euch Freude macht, und eine Zukunfts-Perspektive bietet.“ – Ob Nora und Sibylle in ein paar Jahren tatsächlich eine Baukarriere starten, steht derzeit noch in den Sternen. Der Grundstein für die Begeisterung an einem Bauberuf aber, der wurde heute am Zukunftstag 2019 gelegt.

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