05. November 2018

«Wir bringen etwas Besseres.»

Wenn es um Sicherheit beim Decken schalen geht sind Manuel Lüscher und Daniel Zaugg die Profis. Gemeinsam haben die beiden in vielen Nachtübungen das Hammock Safety System entwickelt und zeigen vor Ort, wie es funktioniert.

Man spürt Manuel Lüschers und Daniel Zauggs Feuer, wenn sie über das Hammock Safety System reden. Manuel Lüscher ist Leiter Kundendienst bei der Frutiger AG, Bauführer und Mitglied von Baukader Schweiz. Zusammen mit seinem Kollegen und Miterfinder, Daniel Zaugg, Polier und Bauführer, selbständig mit seiner Firma Zaugg Construction und in Teilzeit für die Frutiger AG tätig, und Mitglied von Baukader Schweiz, hat er nächtelang an einer einfacheren Lösung für die Sicherung für Deckenschalungen getüftelt. Der Ausschlag hat während einer Sicherheitsschulung mit dem Baustellenkader das Feedback der Poliere gegeben. Spontan haben Lüscher und Zaugg versprochen: „Wir bringen etwas Besseres“.

Tüfteln, testen, patentieren

Vor rund 12 Monaten fingen die beiden damit an, Gedanken zu spinnen, zeichneten diverse mögliche Lösungen, fragten einen befreundeten Stahlbauer an, ob er einen Prototyp fertigen würde und fragten sich plötzlich: «Müssen wir patentieren?». Nach erfolgreichen Tests zuhause auf dem Bauernhof, zeichnete Daniel Zaugg mit der Zaugg Construction GmbH, die das Hammock Safety System heute professionell vertreibt, sämtliche Werkzeichnungen. Nach der Fabrikation der ersten originalen Hammock-Teile konnten die Tests auf vielen Baustellen durchgeführt werden. Dabei suchten sie den Kontakt mit der Suva und reisten nach vielen Stunden Arbeit und mancher Tasse Kaffee am 1. August 2018 nach Bochum ins DEKRA-Prüfzentrum. «Nach genau 24 Stunden waren wir wieder zu Hause», grinst Lüscher. Die beiden haben pro Weg rund 700 Strassenkilometer hinter sich gebracht und ihr «Baby» das Hammock Safety System auf Herz und Nieren prüfen lassen. Mit Erfolg: Das Zertifikat ist am 3. September 2018 eingetroffen und somit wurde es von der Suva mit folgendem Kompliment freigegeben: „Mit dem Hammock Safety System leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Arbeitssicherheit auf Schweizer Baustellen“.

Sicherer, schneller, effizienter

«Es ist schön, ein solches Produkt zu haben», sagt Lüscher und Zaugg nickt. Ihre Motivation waren denn nicht nur die fluchenden Poliere, die immer nach ihren Gstältli suchten. Auch die Tatsache, dass es sich bei ihrem Produkt um einen sogenannten Kollektivschutz handelt, macht Freude. Das heisst, nicht nur jeder einzelne ist geschützt, sondern alle, die auf der Baustelle unterwegs sind. Das System ist deshalb nicht nur sicherer, schneller und effizienter, es bietet auch sehr viel Flexibilität. «Und alles was sicherer ist, ist besser», doppelt Lüscher nach.

Nun geht’s auf eine der Baustellen, auf der das Hammock Safety System im Einsatz ist. Lüscher und Zaugg erklären, wie es funktioniert. Mit einer Hebebühne, Rollgerüst oder Podestleiter werden von unten die flexiblen Hammock-Auszugstangen, mit denen sogleich die Jochhölzer der Deckenschalung kraftschlüssig verstrebt werden, eingebaut. Anschliessend werden die Netze einfach ans System gehängt. Stellen, die nicht gesichert sind, werden mit Absperrungen aus denselben Elementen abgesichert. Das spart Material, Zeit und ist günstiger, als die konventionellen Methoden.

Geprüft und für gut befunden

Einer der es wissen muss, ist Jürg Elmer, Polier auf der Baustelle ARGE BM Coop Löwenberg Center bei Murten und Mitglied von Baukader Schweiz. Was hat er bis jetzt für Erfahrungen? Er bestätigt die Aussagen von Lüscher und Zaugg. Zudem ist er dankbar für die Flexibilität, die er hat. So kann er einen Bauarbeiter, der mit der einen Arbeit fertig geworden ist, problemlos zum Weiterschalen schicken. Auch Installateure, Planer und Bauherrschaft können sich gefahrenfrei auf der Baustelle bewegen.

Elmer ist seit Anfang Juni 2018 hier. Die Baugrube war damals schon gemacht. Ende 2018 soll der Rohbau mit den Massen 110 x 70 x 16 Meter stehen. Mitte November 2019 wird das Coop Löwenberg Center eröffnet werden.

Elmer betoniert mit seinem Team alles vor Ort, ausser Treppen und Stützen. Deckenschalungen gibt es bei diesem Industriebau viele. Mit der Einstellhalle und einem Ladengeschoss im OG geht es in die Höhe. Das Ladengeschoss entsteht aus einem Mix von Beton- und Stahlbau. Momentan sind rund 20 Bauprofis auf der Baustelle. Bauführer Zaugg besucht die Baustelle zweimal wöchentlich. Polier Elmer wird von Simon Jenni, einem jungen Polier und der Firma Ramseier AG Bauunternehmung Bern und Baukader-Mitglied und 13 ARGE Mitarbeitenden unterstützt. Ausser der Abdichtungs- und Armierungs-Akkordanten werden alle Arbeiten durch die ARGE BM selbst ausgeführt. Drei grosse Kräne stehen auf der Baustelle und transportieren 8350 m3 Beton, 13'000 m2 Wandschalung, 10'200 m2 Deckenschalung, und 9’650 Tonnen Armierungseisen.

Die Herausforderungen für Elmer auf dieser Baustelle sind der Bauablauf und die Übergänge zum Stahlbau, die stimmen müssen. Das Projekt befindet sich im Terminplan. Freude macht ihm das Hammock Safety System. «Nicht nur bezüglich Sicherheit sind wir damit den herkömmlichen Systemen mehr als einen Schritt voraus», sagt er.

Innovative Ideen werden gefördert

Am Ende unseres Rundgangs haben sowohl Lüscher als auch Zaugg neben dem Hauptthema Sicherheit ein grosses Anliegen: Die vielfältigen Berufe auf der Baustelle seien keineswegs eine Einbahn-Strasse. «Wer innovativ bleibt, kann in der Baubranche viel bewegen», sagt Lüscher und hofft, dass das auch Nachwuchskräften bewusst ist.

Dabei windet er seinem Arbeitgeber, der Frutiger AG, ein Kränzchen. Vor kurzem hat er sein 20jähriges Jubiläum bei einem Mittagessen mit seinen Vorgesetzten gefeiert. Ein Arbeitgeber, der sich dafür Zeit nimmt und seine Mitarbeitenden in jeder Hinsicht unterstützt, ist für ihn keine Selbstverständlichkeit.

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