640'000 Tonnen Schrott, geschmolzen zu flüssigem Stahl – mittendrin der Club 100 von Baukader Schweiz. Ein Werk, das kaum jemand von innen sieht. Wir standen dort, wo Schweizer Baustahl entsteht.
Sébastian Lavoyer
Es ist der Moment, für den es sich lohnt, früh aufzustehen: Im grössten Stahlrecyclingwerk der Schweiz frisst der Elektrolichtbogenofen tonnenweise Schrott – und spuckt jenen Stahl aus, den viele der Anwesenden Woche für Woche auf ihren eigenen Baustellen verbauen. Man spürt die Hitze, bevor man sie sieht. Man spürt das Werk, bevor jemand eine Zahl nennt.
Willkommen bei Stahl Gerlafingen – willkommen im Club 100!
Türöffner – und weit mehr als das
Begrüsst wurden die Teilnehmenden von Baukader-Geschäftsführer Ray Gysin, der erläuterte, wofür der Club 100 wirklich steht. Ja, er ist ein Türöffner: Zutritt zu Orten wie diesem, die den meisten ihr Leben lang verschlossen bleiben. Aber er ist mehr – das exklusive Netzwerk für die Bau- und Holzbaubranche.
Der Club 100 richtet sich an Unternehmen, Bildungsinstitutionen und Verbände mit direktem oder indirektem Bezug zum Bauhauptgewerbe und Holzbau. Wer dabei ist, wird Teil eines starken Netzwerks von Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern – und profitiert ganz konkret:
Gastgeber des diesjährigen Anlasses war das Werk von Stahl Gerlafingen (AFV Beltrame Group) – ein Betrieb mit über 200 Jahren Geschichte und rund 400 Mitarbeitenden am Standort. Kein Museum, sondern ein Kraftwerk der Schweizer Bauwirtschaft, das rund um die Uhr läuft.
Der grösste Stahlkreislauf der Schweiz
Was hier Alltag ist, hat für die ganze Branche Gewicht:
Übersetzt heisst das: Schweizer Baustoff für Schweizer Baustellen – ressourcenschonend und regional verankert. Rund die Hälfte des in der Schweiz verarbeitenden Bewehrungsstahls kommt aus der Solothurner Gemeinde an der Emme.
Vom glühenden Schrott zum Bewehrungsstahl
Der Club 100 blieb nicht hinter Glas. Im Stahlwerk wurde Schrott im Elektrolichtbogenofen vor den Augen der Mitglieder zu flüssigem Stahl. Im Pfannenofen liess sich verfolgen, wie die Qualität eingestellt wird – «abgeschmeckt wie eine Suppe, bis alles stimmt», wie Kim Lengyel, Marketing- und Verkaufsleiter des Stahlwerks erklärte.
Im Walzwerk zeigte sich, wie aus einem glühenden Knüppel der Bewehrungsstahl wird, der auf unzähligen Baustellen im ganzen Land steckt. Und während der Stahl immer dünner wird, beschleunigt er auf fast 300 Stundenkilometer und flitzt rasend schnell durch die Walzen. Wer einmal gesehen hat, wie aus Schrott Bewehrungsmatten werden, schaut auf der eigenen Baustelle nie mehr gleich hin.
Der Kreislauf geht noch weiter. Wie weit, das machte Cedric Nater, Markt- und Verkaufsdirektor der Vigier Ciment SA, deutlich: Selbst die EOS-Schlacke aus dem Elektrolichtbogenofen findet Verwendung – als Bestandteil eines ihrer Betons. Aus dem, was anderswo Abfall wäre, wird hier Baustoff. Ein Blick über den eigenen Werkzaun hinaus, der eindrücklich zeigt, wie durchdacht die Schweizer Baustoffwirtschaft funktioniert.
Nähe zum Handwerk – genau das ist der Club 100
Kein Prospektwissen, sondern echte Nähe zu den Prozessen, die unseren Berufsalltag prägen: Das ist der rote Faden hinter jedem Club-100-Anlass. Flavio Conti, Standortleiter Zürich bei ERNE, bringt es auf den Punkt: «Wir arbeiten oft mit dem Stahl von hier. Als ich gesehen habe, dass es die Möglichkeit gibt, das Stahlwerk zu besichtigen, habe ich mir den Tag sofort reserviert. Das ist eine einzigartige Gelegenheit.»
Unser Dank gilt CEO Alain Creteur, CFO Patrick Puddu und dem ganzen Team von Stahl Gerlafingen, die uns mitten ins Werk führten. Cedric Nater und Nicolas Binz von Vigier Beton dafür, dass sie den Kreislauf zu Ende dachten – bis in den Beton. Und allen Teilnehmenden, die aus einem Werkbesuch einen besonderen Tag machten.
2027 stehen Sie dort, wo sonst niemand steht
Der Club 100 bietet mehr als einen Werkbesuch – er ist Ausdruck dessen, wie Baukader Schweiz arbeitet. Als Verband der Kaderleute auf der Baustelle vertreten wir unsere Leute selbstbewusst und suchen zugleich die enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Unternehmen der Branche. Nicht gegeneinander, sondern an einem Tisch. Genau dieser Schulterschluss öffnet Türen, die sonst verschlossen bleiben.
2027 geht die nächste auf. Der Club 100 steht Unternehmen, Bildungsinstitutionen und Verbänden mit Bezug zu Bauhauptgewerbe und Holzbau offen – jenen, die die Branche mitgestalten, statt nur über sie zu reden.
→ Ihr Unternehmen ist noch nicht Club-100-Mitglied? Lassen Sie uns das ändern: https://www.baukader.ch/firmen#club100-mitglied-werden
Zusätzliches Zitat: "Die Fachreferate zur Stahl- und Zementproduktion sowie die Werksführung durch das Stahlwerk Gerlafingen haben wertvolle Einblicke in die Schweizer Industrie gegeben. Besonders schätzen wir den direkten Austausch mit Entscheidungsträgern der Branche, den solche Anlässe ermöglichen."
Marko Janicijevic, Geschäftsführer Steinemann AG