23. März 2026

«Mi Boustell»

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Matthias Abbühl über eine anspruchsvolle Nagelwand in Bürchen VS.

Name: Matthias Abbühl
Alter: 56
Funktion: Polier Spezialtiefbau
Arbeitgeber: Stämpfli AG Bauunternehmung (rund 100 Mitarbeitende)

 

Matthias, was war deine herausforderndste Baustelle?
Das war eine Nagelwand in Bürchen im Wallis, oberhalb von Visp. Wir haben dort für eine Überbauung mit drei Mehrfamilienhäusern eine temporäre Baugrubensicherung erstellt. Die Wand war rund 20 Meter hoch und hatte verschiedene Abschnitte, unter anderem eine Nische für einen Liftschacht. Wir waren von Ende Oktober bis Mitte Dezember 2024 vor Ort.

Was war eure Aufgabe?
Wir waren für das Ankerbohren und den Spritzbeton zuständig. Insgesamt kamen rund 2000 Bohrmeter und etwa 200 Kubikmeter Spritzbeton zusammen. Der Aushub lief über das Tiefbauunternehmen. Wir waren als Subunternehmer im Einsatz, der Auftrag kam über die Seematter AG aus Interlaken.

Mit wie vielen Leuten wart ihr auf der Baustelle?
Wir waren zu zweit plus ein Maschinist von Seematter. Normalerweise sind wir mindestens zu dritt für eine Nagelwand. In diesem Fall hat es aber gut funktioniert, weil der Maschinist mit angepackt hat. Wir konnten Hand in Hand arbeiten.

Was hat die Baustelle besonders anspruchsvoll gemacht?
Zum einen die Lage im Hang. Die Zufahrtstrasse war steil, und die Logistik war nicht einfach. Die Fahrmischer konnten nicht vollladen, weil sonst der Beton im Mischer übergelaufen wäre. Der Betonlieferant konnte nur mit Vierachsern zu uns hochfahren und die waren mit maximal 6 Kubik Beton beladen. Mehr ging nicht. Unter normalen Bedingungen hätten wir mit Fünfachsern und bis zu 10 Kubik arbeiten können.

Ihr habt im Spätherbst gearbeitet. Wie war das Wetter?
Wir waren auf rund 1300 Metern. Einmal gab es 60 Zentimeter Schnee, da mussten wir zwei Tage pausieren. Grundsätzlich konnten wir aber auch bei kühlen Temperaturen spritzen, da die Temperaturen ansonsten nicht unter den Gefrierpunkt fielen.

Ich nehme an, ihr habt während dieser Zeit in Bürchen übernachtet.
Ja, das haben wir. Wir waren in einem Hotel in Bürchen untergebracht. Das kommt bei  uns eher selten vor. Meist sind unsere Baustellen so gelegen, dass man pendeln kann. Aber in diesem Fall hat es gepasst. Meine Söhne sind schon längst erwachsen, und meine Frau hat die Ruhe wohl auch genossen (lacht). Wenn man unter der Woche im Hotel ist, arbeitet man dafür oft auch länger.

Was heisst das?
Die Tage wurden ja immer kürzer, aber wir haben meist schon um 7 Uhr morgens angefangen und bis 19 Uhr abends gearbeitet. Mit dem Licht der Baumaschinen, sonst wäre das nicht gegangen. So konnten wir die Bauzeit verkürzen. Während der sieben Wochen waren wir im Hotel vor Ort untergebracht.

Seit wann bist du Polier?
Ich habe den klassischen Weg gemacht: Erst die Maurer-Lehre bei Ghelma in Meiringen, dann habe ich für ein kleines Strassenbau-Unternehmen in Brienzwiler gearbeitet, ehe wir als Familie 2004 ins Emmental gezogen sind. Bei Stämpfli habe ich dann ungefähr Mitte 30 die Ausbildung zum Vorarbeiter und später zum Polier gemacht. Am Campus Sursee. Ohne Titel kommst du irgendwann nicht mehr weiter, auch wenn du die Erfahrung hast.

Was hast du auf dieser Baustelle gelernt?
Dass kleine Teams sehr gut funktionieren können, wenn die Zusammenarbeit stimmt. Und wie wichtig es ist, flexibel zu bleiben – gerade bei Logistik und Wetterbedingungen.

Gab es ein besonderes Highlight?
Ja, wir konnten ein Video mit unserem neuen Bohrgerät drehen. Das heisst gemacht hat das Video der Hersteller des Bohrgeräts, Morath. Sie haben es später an der Bauma in München gezeigt. Das war schon speziell.

Hast du so etwas wie ein Wunschprojekt?
Eigentlich nicht. Ich bin zufrieden mit dem, was ich mache. Jede Baustelle hat ihre eigenen Herausforderungen. Momentan bin ich gerade für einen «Notfall-Einsatz» in Dopplenschwand LU. Wir sind hier kurzfristig aufgeboten worden, um eine Baugrube zu sichern. Unser Unternehmen ist da sehr flexibel und spontan unterwegs. Wenn irgendwo etwas Ungeplantes passiert, etwas kurzfristig gesichert werden muss, dann sind wir schnell zur Stelle.