10. Juli 2026

«Neue Mitglieder gewinnt man nicht per Flyer»

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Mario Veraguth ist seit 2012 Mitglied bei Baukader Schweiz und seit diesem Jahr Präsident der Sektion Prättigau-Davos. Der Projektleiter im Fassadenbau will den Verband verjüngen, neue Mitglieder gewinnen und den Austausch zwischen den Generationen fördern. Warum er dafür sogar jeden Einzelnen anruft und weshalb für ihn persönliche Kontakte wichtiger sind als jede Werbekampagne.

Mario, kurz nach deiner Wahl zum Präsidenten hast du in eurer Sektion zu vier Austauschtreffen eingeladen. In zwei Regionen meldete sich niemand an, insgesamt kamen 9 von 65 Mitgliedern. Frustriert dich das?
Nein. Natürlich hätte ich mir mehr Beteiligung gewünscht. Aber genau deshalb engagiere ich mich. Es bringt nichts, einfach darüber zu reden, dass die Mitglieder älter werden oder weniger Leute an Anlässe kommen. Man muss aktiv werden. Mir war wichtig zu erfahren, was unsere Mitglieder denken, wo sie Verbesserungspotenzial sehen und wie wir die Sektion weiterentwickeln können.

Wie bist du dabei vorgegangen?
Ich habe die Mitglieder eingeladen und einen Fragenkatalog vorbereitet. Mir ging es nicht darum, den Leuten etwas vorzugeben. Ich wollte zuhören. Wo sehen sie Stärken? Wo gibt es Verbesserungsmöglichkeiten? Wie gewinnen wir neue Mitglieder? Welche Anlässe funktionieren? Die Rückmeldungen werte ich jetzt aus.

Was hast du aus diesen Gesprächen mitgenommen?
Dass wir offener werden müssen. Viele Ideen drehen sich darum, wie wir neue Leute ansprechen können. Für mich ist klar: Neue Mitglieder gewinnt man nicht per Flyer. Es braucht persönliche Kontakte und Gespräche. Für mich ist klar, dass wir Anlässe organisieren müssen, die junge Baukader ansprechen und zu denen auch Leute eingeladen sind, die nicht Mitglied sind bei uns. So kommt man ins Gespräch.

Du selbst hast seit Anfang Jahr bereits zwei neue Mitglieder für Baukader Schweiz gewonnen. Wie ist dir das gelungen?
Durch persönliche Kontakte. Will man junge Menschen gewinnen, muss man ihnen zeigen, welchen konkreten Nutzen eine Mitgliedschaft hat. Wer neu als Vorarbeiter oder Polier unterwegs ist, kann vom Wissen erfahrener Kollegen profitieren. Dazu kommen Weiterbildungsmöglichkeiten, Unterstützung bei rechtlichen Fragen und ein starkes Netzwerk. Viele merken erst später, wie wertvoll das sein kann.

Du bist selbst seit April 2012 Mitglied. Wie bist du damals zu Baukader Schweiz gekommen?
Der damalige Sektionspräsident, mein Vorgänger, hat mich angesprochen. Ich lieferte ihm Schaumglasschotter und irgendwann kamen wir auf den Verband zu sprechen. Die Idee hat mich sofort überzeugt. Einerseits wegen des Netzwerks, andererseits weil ich der Branche etwas zurückgeben wollte.

Was hält dich nach über zehn Jahren noch immer bei Baukader Schweiz?
Der Austausch. Man hört von Baustellen, von Herausforderungen, von Problemen und Erfolgen. Man lernt ständig dazu. Gleichzeitig kann man eigene Erfahrungen einbringen. Dieser Wissenstransfer ist enorm wertvoll.

Du arbeitest heute als Projektleiter im Fassadenbau. Wie verlief dein beruflicher Weg?
Ursprünglich habe ich Bauspengler gelernt. Danach wechselte ich in den Strassenbau und absolvierte eine zweite Lehre als Verkehrswegbauer. Anschliessend bildete ich mich zum Vorarbeiter weiter und arbeitete rund zehn Jahre im Tief-, Strassen- und Gleisbau. Nach zwei Bandscheibenvorfällen musste ich den Bau verlassen.

Du hast im Aussendienst von Bauzulieferfirmen angefangen.
Ja, genau. Über Stationen bei Misapor, Sika und PREFA kam ich zu EJOT. Ich habe im Aussendienst angefangen und bin heute als Projektleiter für Unterkonstruktionssysteme von hinterlüfteten Fassaden tätig.

Vermisst du die Baustelle manchmal?
Ja, natürlich. Ich bin und bleibe ein Baumensch. Der Bau hat mich geprägt. Vielleicht engagiere ich mich auch deshalb so gerne bei Baukader Schweiz. So bleibe ich nahe an der Baustelle und an den Menschen.

Seit diesem Jahr bist du Präsident der Sektion Prättigau-Davos. Warum hast du dieses Amt übernommen?Ganz ehrlich: Es wollte sonst niemand machen. Viele Vereine und Verbände kämpfen mit denselben Herausforderungen. Ich habe mich engagiert, weil ich überzeugt bin, dass die Baukader eine starke Stimme brauchen. Ich will mithelfen, den Verband weiterzuentwickeln.

Was möchtest du als Präsident erreichen?
Wir müssen jünger werden. Unsere Sektion zählt heute rund 65 Mitglieder. Viele sind schon lange dabei. Das ist schön, aber wir wollen wieder mehr Junge gewinnen. Hast du ein paar überzeugt, bringt das eine neue Dynamik rein. Davon profitieren alle.

Ihr sucht gezielt nach neuen Formaten, mit denen ihr auch jüngere Baukader ansprechen könnt. Kannst du hierzu etwas verraten?
Ja, klar. Wir haben bei uns in der Sektion Ambrosi Hofmann, der 2006 Olympia-Bronze im Super-G gewonnen hat. Ich würde gerne einen Skitag mit ihm organisieren. Er ist offen dafür, anderen technische Inputs zu geben. Mir schwebt ein Anlass vor, allenfalls sektionsübergreifend, sicher eine Kombination für unterschiedliche Generationen.

Das ist ein Spagat.
Ja, aber es ist möglich. Die einen gehen Skifahren, die anderen könnten beispielsweise ins Lawinenmuseum gehen, Jassen oder so etwas. Und am Schluss kommen alle zusammen spielen eine Runde Dart. Entscheidend ist, dass Begegnungen entstehen.

Was ist deine Zukunftsvision für die Sektion Prättigau-Davos?
Wir sind derzeit bei 65 Mitgliedern. Ich würde gerne die Marke von 100 Mitgliedern erreichen. Noch wichtiger ist aber, dass wir wieder mehr junge Leute für den Verband begeistern können. Das ist entscheidend für unsere Zukunft.

Was möchtest du einem jungen Vorarbeiter oder Polier mit auf den Weg geben?
Warte nicht, bis du ein Problem hast. Werde früh Teil eines Netzwerks. Bei Baukader Schweiz findest du Erfahrung, Unterstützung und Menschen, die dieselben Herausforderungen kennen wie du. Davon profitiert man beruflich und persönlich.

 

Zur Person:
Mario Veraguth (49)

Wohnort: Ascharina GR
Beruf: Projektleiter Fassadensysteme bei EJOT Schweiz
Mitglied bei Baukader Schweiz seit: April 2012
Funktion: Präsident Sektion Prättigau-Davos
Hobbys: Golf, Poker, Wandern
Motto:  Gemeinsam Zukunft gestalten – man muss ja nicht alles selber erfinden.