«Der Verband lebt davon, dass jedes Mitglied mithilft»
Michael Marti, 35, ist Strassenbau-Polier bei Marti Solothurn und engagiertes Mitglied von Baukader Schweiz. In kurzer Zeit hat er fünf Kollegen für uns begeistern können. Im Gespräch erzählt er, warum Mund-zu-Mund-Propaganda wirkt, was ihn selbst überzeugt hat – und weshalb Haltung wichtiger ist als jedes Werbemittel.
Sébastian Lavoyer
Michael, du bist Strassenbau-Polier. Wo arbeitest du aktuell? Wir sind zurzeit auf der Baustelle des neuen Zentralgefängnisses Schachen in Deitingen. Seit November sind wir dort und geben Vollgas. In fünf Monaten verbauen wir rund 2,4 Millionen Franken – Beton, Kies, Baupisten, Bauzaun, alles, was dazugehört.
Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus? Wir sind drei Poliere und zwischen 13 und 16 Leute auf der Baustelle. Drei Gruppen mit je drei bis vier Mann. Wegen der Beschleunigungsmassnahmen arbeiten wir derzeit neun Stunden am Tag. Das geht nur dank eingemieteten Leuchten.
Dein Weg in den Bau war nicht geradlinig. Wie bist du Polier geworden? Ich habe mit 13 schon als Strassenbauer geschnuppert, mich dann aber für eine Lehre als Forstwart entschieden. Bis 23 war ich im Wald. Die Situation im Wald war schwierig, es gab kaum regionale Stellen. Auf dem Bau sah ich mehr Weiterbildungsmöglichkeiten, bessere Sozialleistungen und mehr Ferien.
Und dann? Dann machte ich die Zusatzlehre als Strassenbauer gemacht, sammelte zwei Jahre Berufserfahrung, machte 2017 die Vorarbeiterschule und 2019 die Polierschule in Sursee. Ich bin seit der Lehre bei Marti Solothurn – insgesamt sind es jetzt 13 Jahre.
Du bist auch Berufsbildner. Was bedeutet das für dich? Sehr viel. Ich bin neben dem Polierjob für den Tiefbau in der Ausbildung zuständig: Einsatzpläne, Bildungsberichte, Gespräche, wenn es Probleme gibt. Aktuell haben wir acht Lernende. Im Sommer schliesst einer ab, gleichzeitig beginnen fünf neue. Insgesamt werden es dann rund zwölf Strassenbauer-Lernende sein.
Warum engagierst du dich als Berufsbildner? Aus Leidenschaft, nicht wegen dem Geld. Die Lernenden sind unsere Zukunft, das war für mich immer klar.
Wie hast du so viele Lernende für den Strassenbau begeistern können? Mit Leidenschaft. Wenn die Jungen merken, dass man etwas mit Herz macht, kommt viel zurück. Ich habe den Kurs als Berufsbildner schon mit 21 und noch als Forstwart gemacht. Und natürlich haben auch die SwissSkills geholfen.
Erzähl, bitte. Wir wurden von der InfraSuisse angefragt, ob wir mitmachen wollen. Zwei Lernende sagten sofort ja. Sie wurden Schweizermeister im Strassenbau. Das hat sich wahnsinnig herumgesprochen. Danach hatten wir deutlich mehr Bewerbungen.
Wie bist du selbst zu Baukader gekommen? Durch einen Kollegen, ich bin seit drei Jahren dabei.
Warum bist du Mitglied geworden? Für mich ist Vernetzung extrem wichtig. Die Sektionsanlässe und der Austausch mit den anderen Baukadern ist zentral. Solche Traditionen muss man pflegen, sonst sterben sie aus. Dazu kommt, dass man einen rechtlichen Rückhalt hat, sollte mal etwas schieflaufen auf der Baustelle. Die Rechtsberatung und der Rechtsschutz von Baukader waren und sind wichtig für mich.
Was waren das für Anlässe, von denen du sprichst? Einmal war es ein Jassabend, dann ein Anlass, wo es um Käse und Gin ging. Wir konnten selbst Gin machen. Wir sind auch einmal zusammen fischen gegangen oder wir spielten Minigolf und assen danach gemeinsam Spanferkel. Unser Sektionsvorstand hat da volle Arbeit geleistet.
Hast du selbst schon vom Netzwerk profitiert? Oh ja, ich musste einmal einen Schacht schalen und konnte einen Hochbau-Polier anrufen. Früher hätte ich mich nicht getraut jemanden zu fragen.
Du hast in den letzten Wochen zahlreiche Mitglieder geworben. Wie kam es dazu? Ich habe vier Mitglieder direkt angeworben, ein weiterer hat sich selbst angemeldet. Es sind alles Leute von Marti, aus dem Strassen- und Tiefbau. Junge, gute Leute zwischen 30 und 40 – eigentlich das perfekte Alter.
Wie hast du sie überzeugt? Ganz einfach: Mund-zu-Mund-Propaganda. Ich habe angerufen, sie zu mir ins Büro geholt, ihnen die Webseite gezeigt, erklärt, was Baukader Schweiz ist und macht. Am Schluss waren alle dabei.
Welche Punkte hast du hervorgehoben? Die Anlässe, den rechtlichen Rückhalt und das Netzwerk. Und das Magazin finde ich sehr, sehr gut. Ich bin 35, aber eher alte Schule – ich habe gern ein Heft in der Hand. Das sollte man unbedingt beibehalten.
Was rätst du anderen Baukader-Mitgliedern, wie wirbt man Neu-Mitglieder? Rausgehen, Leute ansprechen, mitmachen. Wenn man will, kann man andere gut überzeugen. Und am Schluss profitiert man selbst am meisten davon. Letztlich können wir alle dazu beitragen, dass dieser Verband weiter existiert und wichtig ist.
Zum Schluss: Was machst du selbst zum Ausgleich? Ich bin in einer Fasnachtsgruppe aktiv, in einer Wagenbauzunft, und in einer Töffli-Clique. Wir sind elf Leute mit alten Töfflis und machen gemeinsame Ausflüge.