«Ohne persönliche Ansprache läuft nichts»
Die Sektion Liestal und Umgebung hat sich in den letzten Jahren sichtbar verändert. Der Vorstand ist jünger geworden, die Anlässe sind breiter aufgestellt, und auch bei der Organisation will man neue Wege gehen. Präsident Patrick Nefzger und Vize-Präsident Markus Gysin erzählen, wie ihre Sektion Mitglieder gewinnt – und warum es mehr braucht als Baustellenbesichtigungen.
Sébastian Lavoyer
Patrick, du bist seit diesem Jahr Präsident der Sektion Liestal und Umgebung. Was ist im Moment deine wichtigste Aufgabe?
Patrick Nefzger: Im Moment geht es vor allem darum, die Sektion weiter zu modernisieren. Unser Vorstand ist deutlich jünger geworden in den letzten Jahren. Heute ist die grosse Mehrheit mitten im Berufsleben. Das bringt eine andere Dynamik.
Was heisst das konkret?
Patrick Nefzger: Zum Beispiel bei der Organisation. Lange lief bei uns alles über Papier, Ordner, lange Listen, vereinzelt E-Mails. Das ist nicht mehr zeitgemäss und zu umständlich. Wir haben jetzt alle Unterlagen auf der Cloud, so hat der ganze Vorstand jederzeit Zugriff. Einzelne Dinge hängen nicht mehr so sehr von gewissen Personen ab.
Was ist nicht gut mit E-Mails?
Patrick Nefzger: Ich habe kein Problem mit E-Mails, aber ich bin überzeugt, dass wir unsere Mitglieder direkter erreichen müssen. Oft haben wir die privaten Mails unserer Mitglieder, diesen Account checken die meisten viel weniger als den geschäftlichen. Und gewisse haben gar keinen. Aber fast alle haben ein Handy und WhatsApp. So erreicht man die Leute schneller und einfacher. Man kann ohne grossen Aufwand Umfragen machen, zu- oder absagen für Events.
Markus, du bist im Vorstand so etwas wie der «Superwerber». Wie überzeugst du die Leute Baukader-Mitglied zu werden?
Markus Gysin: Praktisch alles läuft über persönliche Kontakte. Ich glaube nicht, dass jemand auf Social Media oder auf der Webseite des Verbandes etwas über Baukader liest und dann findet: Das ist genau mein Verband, da melde ich mich jetzt an. So funktioniert es nicht.
Wie dann?
Markus Gysin: Man muss die Leute direkt ansprechen. Auf der Baustelle, im Betrieb, im Alltag. Man sagt: Komm doch mal mit, schau es dir an. So gewinnt man Mitglieder.
Bist du immer erfolgreich?
Markus Gysin: Ach was, natürlich nicht. Wenn du zwanzig Leute ansprichst, sagen vielleicht fünf ja. Das ist völlig normal. Aber ohne diesen Effort passiert nichts.
Wie hat sich die Sektion in den letzten Jahren entwickelt?
Markus Gysin: Wir sind gewachsen. In den letzten zwei Jahren sind 13 neue Mitglieder dazugekommen. Aber wir dürfen uns nichts vormachen: Viele Mitglieder sind auch schon älter. Das heisst, wir müssen weiter dranbleiben, sonst verlieren wir mittelfristig wieder Leute.
Patrick Nefzger: Das ist ein wichtiger Punkt. Der Bestand ist heute zwar etwas jünger als noch vor ein paar Jahren, aber wir haben weiterhin viele ältere Mitglieder. In den nächsten zehn Jahren werden altersbedingt etliche wegfallen. Darum müssen wir heute neue Leute gewinnen. Sonst wird es später schwierig.
Was macht eure Sektion für neue Mitglieder attraktiv?
Patrick Nefzger: Sicher die Mischung. Wir machen nicht einfach jeden Monat das Gleiche. Wir haben Baustellenbesichtigungen, Führungen, gesellige Anlässe, einen Grillabend. Wir versuchen, etwas zu bieten, das interessiert und zugleich verbindet.
Kannst du ein Beispiel nennen?
Patrick Nefzger: Kürzlich hatten wir in Basel eine Stadtführung mit Schauspielern. Das war wirklich stark gemacht und einmal etwas ganz anderes. Solche Anlässe sprechen auch Leute an, die nicht jedes Mal nur eine Baustelle anschauen wollen. Natürlich bleiben Baustellenbesuche wichtig. Aber wir wollen auch darüber hinaus etwas bieten.
Warum ist diese Mischung so wichtig?
Patrick Nefzger: Weil sich auch das Publikum verändert. Es gibt Mitglieder, die wollen unbedingt Fachliches sehen. Andere sagen: Ich bin die ganze Woche auf dem Bau, ich möchte an einem Anlass auch einmal etwas anderes erleben. Wenn du beides anbietest, erreichst du mehr Leute. Und du hast eine bessere Durchmischung.
Markus Gysin: Man merkt das sofort. Wenn du nur immer das Gleiche machst, dann kommen irgendwann nur noch die gleichen Leute. Darum ist es gut, wenn wir die Themen etwas breiter fassen. Aber klar: Der Bau ist und bleibt unser gemeinsamer Nenner. Wenn wir zusammensitzen, reden wir am Ende sowieso wieder über Baustellen.
Welchen Mehrwert liefert euch die Mitgliedschaft?
Markus Gysin: Baukader ist für mich vor allem ein Beziehungsnetz. Natürlich gibt es Dienstleistungen wie die Rechtsberatung, den Rechtsschutz, das Magazin oder Vergünstigungen für Mitglieder. Aber der grösste Wert liegt für mich im Austausch. Du kennst Leute, du bleibst in Kontakt, du kannst jemanden anrufen, wenn du etwas brauchst oder wissen willst.
Patrick Nefzger: Das sehe ich gleich. Nach unseren Anlässen sitzen wir oft noch lange zusammen. Und genau dort passiert viel. Da wird diskutiert, verglichen, erzählt. Das ist nicht einfach nur gemütlich, das ist auch fachlich wertvoll.
Wie viele Anlässe organisiert ihr pro Jahr?
Patrick Nefzger: In der Regel etwa sechs. Im Sommer gibt es etwas weniger, sonst haben wir über das Jahr verteilt regelmässig Anlässe. Meistens sind wir zwischen 18 und 20 Personen. Das ist für unsere Grösse gut.
Ist es schwieriger geworden, die Leute zu mobilisieren?
Patrick Nefzger: Ja, ein Stück weit schon. Der Freitagabend ist nicht einfach. Einige haben Familie, andere sind in Vereinen tätig oder haben beruflich bereits sehr viele Termine. Gerade Bauführer sind stark belastet. Da musst du wirklich ein gutes Angebot machen, sonst sagen die Leute ab.
Markus Gysin: Genau. Darum ist es wichtig, dass man es nicht übertreibt und lieber gezielt gute Anlässe macht.
Ihr sprecht beide von Bauführern. Sind diese einfacher zu gewinnen als Poliere?
Patrick Nefzger: Der Zuwachs kommt bei uns momentan eher von den Bauführern. Bei den Polieren ist es schwieriger. Dort gibt es teilweise Vorbehalte gegenüber Gewerkschaften und haben das Gefühl, dass es beim Arbeitgeber schlecht ankommen würde. Da muss sich Baukader klar abgrenzen.
Wie?
Patrick Nefzger: Indem wir klar sagen, wofür wir stehen. Wir sind keine Gewerkschaft, die einfach poltert. Wir vertreten die Interessen unserer Mitglieder, aber mit Augenmass. Wir bewegen uns zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite. Genau deshalb ist der Baukader wichtig. Wir kennen beide Perspektiven.
Das sagst du auch aus eigener Erfahrung.
Patrick Nefzger: Ja. Ich bin heute stellvertretender Geschäftsführer in einem Unternehmen und gleichzeitig Präsident der Sektion. Ich weiss also sehr gut, dass man nicht einfach nur Forderungen stellen kann. Es braucht Lösungen, die für beide Seiten tragbar sind. Diese Haltung macht den Baukader aus.
Markus, was sagst du jemandem, der über einen Beitritt nachdenkt?
Markus Gysin: Ich sage ihm: Du musst nicht an jeden Anlass kommen. Aber es lohnt sich, dabei zu sein. Zwei- oder dreimal pro Jahr reicht schon, um Leute kennenzulernen und den Kontakt zu halten. Und wenn du dann einmal etwas brauchst, bist du froh um dieses Netzwerk.
Danke für die Einblicke in eure Sektion!